 |
Der
Ursprung der Traurigkeit
Pablo Ramos
Carlos Eugenio López
Suhrkamp, Frankfurt a.M.
2007
Leseprobe:
Das
Feuer brach am Donnerstag nachmittag aus. Es hatte den ganzen Morgen
geregnet, und Magán und Rivadavia waren überflutet.
Wir spielten Bootsrennen mit ein paar alten Holzbrettern, die aus
dem Schuppen von Rubén, dem Tischler, auf die Straße
gespült worden waren und jetzt wegtrieben. Das Spiel ging so,
dass man sich bäuchlings auf das Brett legte und mit voller
Kraft mit den Armen paddelte. Wir starteten bei Armandos Haus, überquerten
eine Straße und kamen bis zur Bäckerei. Fast immer gewann
Carlón, aber da Carlón nicht zählte, wie Percha
meinte, war eigentlich der zweite der Sieger.
„Und warum zählt er nicht?“, hatte Marisa Percha
angeschrien.
„Weil er ein Landei ist“, hatte Percha geantwortet.
„Außerdem gibt’s bei ihm zu Hause nie was zu essen.“
„Was hat es denn heute bei euch zu Essen gegeben, Carlón?
Landluft?“, brüllte jaro aus seinem Zimmerfenster, und
alle grölten vor Lachen.
Wenn es regnete, konnten wir nicht Fußball spielen und mussten
uns was anderes einfallen lassen. Nur Jaro und Tumbeta waren dann
nicht dabei; bei Überschwemmungen durften sie nicht auf die
Straße. An diesem Tag war Chino nicht da, weil er zu weit
weg wohnte, im Zentrum von Buenos Aires. Er kam immer freitagnachmittags
und blieb bis Sonntag bei seiner Großmutter Fonta, die zwei
Häuser weiter wohnte. Chino hatte von Anfang an zu unserer
Bande gehört, und er und Percha waren meine besten Freunde.
Wenn seine Mutter ihn am Sonntag nicht zu spät abholte, nahmen
sie mich manchmal mit in die Hauptstadt. Wir brauchten über
eine Stunde bis zu ihnen nach Hause. Dann fuhren wir in einem Fahrstuhl
in ihre Wohnung hinauf und spielten auf einem Balkon ziemlich weit
oben, von wo aus man etwas sah, das mir immer wie ein fremdes Land
vorkam.
|