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Paraíso
Travel
Roman
Jorge Franco
Unionsverlag, Zürich
Frühjahr 2005
Leseprobe:
Um nach Mexiko einzureisen, brauchte
man ebenfalls ein Visum, und so pleite, wie wir waren, hätten
wir es nie bekommen. Das Visum für Guatemala haben die organisiert,
frag mich nicht, wie. Nach Mexiko würden wir von unten her
einreisen, aber wir wussten nicht, wie man uns über die Grenze
bringen würde. Als wir in Guatemala ankamen, kriegten wir schon
den ersten Schreck: der Typ von der Einwanderungsbehörde schaute
uns ziemlich misstrauisch an, er stellte eine Menge fragen, doch
ich schwieg und Reina antwortete. Frech und lächelnd erklärte
sie ihm, dass wir einen Ausflug machten und dass wir uns die Pyramiden
von Tikal anschauen wollten. Sie zeigte ihm das Rückflugticket
und versicherte ihm seelenruhig, Señor, unser Land würden
wir für nichts in der Welt eintauschen wollen.
Ich schwieg einen Moment lang, doch Milagros machte mir Zeichen,
weiter zu erzählen.
Das war’s. Dort am Flughafen nahm uns ein Zwerg mit einem
Schild in Empfang, auf dem Paraíso Travel stand.
„Ein Zwerg?", fragte Milagros.
Na ja, fast: Er war vielleicht zwei Zentimeter zu groß dafür,
obwohl er redete, als wäre er einen Meter neunzig. Er hatte
was von einem Feldwebel. Er teilte uns in zwei Gruppen ein, die
er zu zwei verschiedenen Hotels schickte. Auch er wollte Geld von
uns, Dollars, weil wir ein wenig lokale Währung bräuchten,
wir sollten ihm das Geld geben, und er würde es in Quetzales
umtauschen. Wenig später war er zurück, übergab uns
ein paar fremde Scheine und brachte uns ins Hotel. Als wir uns anmeldeten,
schaute ich auf eine Tafel mit den Wechselkursen und sagte zu Reina:
Dieser Zwerg hat uns übers Ohr gehauen.
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