Noch eine Nacht
Roman
Antonio Dal Masetto
Rotpunktverlag, Zürich
Frühjahr 2006

Leseprobe:

Die Männer schienen sich für den Augenblick beruhigt zu haben. Hin und wieder stießen sie Cucurucho in den Rücken, was ihn vorwärts stolpern ließ, dann fiel er wieder in gleichmäßigen Trott.
Die Stöße wurden kräftiger und zahlreicher. Jemand verpasste ihm einen Tritt:
„Los, beweg dich.”
Noch ein Tritt, diesmal mit der Schuhsohle, und er verfiel für ein paar Meter in Trab. Dann ein Schlag in die Nieren. Die Typen kamen wieder in Fahrt. Bevor sie den zweiten Block passiert hatten, gaben sie ihm eine kräftige Ohrfeige und trieben ihn die ganze Zeit vorwärts. Immer mehr Menschen tauchten auf, strömten an den Straßenecken zusammen und schlossen sich dem Zug an. In einer Tür tauchte hinter einer Frau ein Junge auf und fragte:
„Wer ist das, Mutter?

„Ein schlechter Mensch
, sagte sie.
Sie stieß den Jungen ins Haus.
Eine barfüßige Alte trat mit einem Eimer Wasser aus einem Hausflur. Sie lief auf die Straße, stellte sich vor Cucurucho hin und schüttete ihm das Wasser ins Gesicht. Ein paar Fahrzeuge bildeten den Abschluss des Zugs. Sie bogen in die Hauptstraße ein, noch immer weit vom Zentrum entfernt. Dort ging Cucurucho zu Boden. Sie warteten, bis er sich wieder aufgerichtet hatte. Dann schlugen sie ihn erneut. Er war blutüberströmt. Sie hatten ihm teilweise das Hemd heruntergerissen, und er hatte einen Schuh verloren und humpelte.
In seinem Zustand nahm er nicht mehr viel wahr. Vor sich sah er die leere, sonnenbeschienene Straße und stolperte sie blind entlang. Er wusste nicht, wohin er ging, und sein ganzer Wille war darauf ausgerichtet, immer weiterzugehen und nicht zu Boden zu gehen. Er bemerkte die Menschen um sich herum, spürte, wie sie ihn wie eine Wolke Hornissen bedrängten. Er fühlte die Wucht der Schläge, aber nicht den Schmerz.

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