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Das
Beste was einem Croissant passieren kann
Roman
Pablo Tusset
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt a.M.
Frühjahr 2003
Leseprobe:
Die Bruderschaft des Lichts
Das Beste, was
einem Croissant passieren kann, ist dick mit Butter bestrichen zu
werden. Ich erinnere mich, dass ich das dachte, während ich
eines mit Pflanzenmargarine aus dem Sonderangebot beschmierte. Und
ich weiß auch noch, dass ich gerade reingebissen hatte, als
das Telefon klingelte.
Ich hob ab, obwohl ich wusste, dass ich mit vollem Mund sprechen
müsste:
Mmmpf...?"
Bist du da?"
Nein, ich bin nicht zuhause. Sprich mir eine Nachricht auf
Band und lass mich in Frieden: Piiiiiiiiiiiiep."
Lass den Blödsinn. Was kaust du da?"
Ich frühstücke."
Um ein Uhr mittags?"
Ich bin eben heute früh aufgestanden. Was willst du?"
Dass du ins Büro kommst. Es gibt Neuigkeiten."
Du kannst mich mal. Ich hab keine Lust rumzuraten."
Und ich telefoniere nicht gern. Es gibt Geld. Ich warte eine
halbe Stunde auf dich, keine Minute länger."
Er legte auf, und ich kaute weiter mein Croissant, während
ich überlegte, ob ich mich duschen und rasieren oder meine
erste Ducados rauchen sollte. Ich beschloss, beim Rasieren zu rauchen;
die Dusche konnte warten, da mir wahrscheinlich niemand zu nahe
kommen würde. Aber mit dem Dreitagebart sehe ich schon auf
zehn Meter Entfernung aus, als hätte ich die Krätze. Doch
sofort tauchten die ersten Probleme auf: Es gab weder Kaffee noch
ein sauberes Hemd, dann musste ich das halbe Wohnzimmer auseinander
nehmen, bis ich die Schlüssel fand, und als ich das Haus verließ,
knallte mir die scheiß Sonne mitten ins Gesicht. Trotzdem
mimte ich den Unerschrockenen und schaffte es bis zu Luigis Kneipe.
Für alle Fälle trat ich schwungvoll ein: Luigi,
mach mir einen Kaffee. Und heb mir zwei von den Croissants auf.
Ich hab gerade das letzte gegessen. Lässt du die Dinger eigentlich
Gewichte stemmen? Wenn dein Schwanz mal so hart wäre wie deine
Croissants, wärst du besser drauf."
Hör zu, wenn du frische Croissants willst, dann zahl
dafür den Thekenpreis, ansonsten hast du Pech gehabt, und du
isst die, die ich dir gnädigerweise schenke. Sind wir uns einig?"
Pfff... weiß nicht, ob ich das Geschäft verstanden
hab. Wenn ich wiederkomme, um den Kaffee zu bezahlen, erklärst
dus mir in Ruhe. Und gib mir noch ne Ducados, sei so
nett."
Wieso jag ich dich eigentlich nicht auf der Stelle zum Teufel?"
Weil ich in dieser versifften Spelunke zehn Mille lasse, wenn
ich Kohle hab."
Ansonsten muss ich dir sogar die Zigaretten anschreiben...
Ah, bevor ichs vergesse. Die Fina war gestern hier und hat
nach dir gefragt. Sie lässt ausrichten, dass du sie anrufen
sollst. Hör mal, vögelst du die Fina, oder was? Geile
Titten hat die..."
Du landest noch in der Hölle, du Ehebrecher."
Die Sonne versuchte noch immer, den Leuten auf die Nerven zu fallen.
Doch ich schaffte es, die Kneipe zu verlassen und die zwei Blocks
zum Büro auf der Schattenseite der Bür-gersteige zurückzulegen.
Drei-ßig und ein paar Stufen später stand ich vor der
Tür von Miralles & Miralles, Finanzberater".
Der zweite Miralles bin ich; der Erstgeborene saß wohl seit
sieben Uhr morgens da drin: rasiert, geduscht und mit Schlips. Ich
warf ein Hallo" in die Runde und fragte María,
wie es so ging. Wie du siehst, mein Lieber, im steten Kampf
mit den Telefonen... Huch, bist du dick geworden..." - Ich
achte eben auf mich. Viel Fett und so wenig Bewegung wie möglich."
Ich sah, dass in den hinteren Büroräumen zwei Paare im
Beratungsgespräch waren und beschloss, bei den anderen Mitarbeitern
keinen Aufruhr zu machen. Nur Pumares, der zwischen den Tischen
hin- und herging, hob zum Gruß die Augenbrauen. Ich erwiderte
den Gruß mit gleicher Mimik und begab mich direkt in das Büro
von Miralles The First.
Er hatte mich bereits durch die verglasten Trennwände gesichtet.
Es ist nicht einfach, ihn unvorbereitet zu erwischen.
Willst du nicht mal die Klimaanlage einschalten, die Belegschaft
krepiert sonst noch", sagte ich gleich beim Eintreten, falls
sich mein toller Bruder irgendeine Impertinenz als Begrüßung
zurechtgelegt hatte.
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